Nachdem der mysteriöse Fall des mutmaßlich rechtsextremen Bundeswehroffiziers Franco A. einen regelrechten Bildersturm und vorauseilenden Gehorsam produziert hat, beweist die Kinderärztin in der Rolle der Heerführerin nicht nur eklatante Unkenntnis militärischer Gemeinschaften, sondern entwickelt despotische Züge: Der militäreigene Geheimdienst ermittelt bereits gegen die Ironie möglicher Kritiker.

Ob der Fall des im Jahre 1989 geborenen Oberleutnants -Franco A., der in der Brigade Franco-Allemande seinen Dienst versah, die zufällig auch im Jahre 1989 aufgestellt worden ist, nicht eine weitere stümperhafte Finte ist, wird womöglich für immer spekulativ bleiben.
Fakt ist aber, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen binnen weniger Tage zu einem Rundumschlag gegen die Truppe ausgeholt hat und militärische Vorgesetzte, sei es aus vorauseilendem Gehorsam oder aus Unsicherheit, in Kasernen, Schiffen und Liegenschaften jegliche Andenken entfernen, die an die Vorgängerarmeen der Bundeswehr erinnern. Darunter fallen übrigens nicht nur Devotionalien der Wehrmacht: Auch Schwerter und Insignien preußischer oder württembergischer Regimenter wurden von der Wand genommen, der Prunksaal der Marineschule Mürwik, bisher geschmückt mit schweren Ölschinken aus dreihunderjähriger deutscher Seefahrtsgeschichte, erfährt plötzlich eine „Umgestaltung“, obwohl diese am Tag der Meldung zeitgleich als bereits abgeschlossen gemeldet wurde.

Sowohl aktive Soldaten als auch Reservisten sowie ehemalige Führungsoffiziere bekunden teils offen, teils in Internetforen versteckt, ihren Unmut. Von der Leyen stellt mit einem sonderbaren Einzelfall ihre gesamte Truppe unter den Generalverdacht des Rechtsextremismus und wirft das ohnehin in Deutschland mit offener Verachtung beziehungsweise „wohlwollendem Desinteresse“ behandelte Militär endgültig dem linken Hass zum Fraß vor.

 

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[Bild: Dirk Vorderstraße/wikimedia.org]