Endlich! 200 Jahre nach Goethe und 100 Jahre nach Robert Musil hält nach langer Zeit wieder einmal ein Großpoet ersten Ranges Einzug in die hehren Gefilde der Weltliteratur: Reinhold Mittlerlehner. Nach etwas mageren Jahren in der österreichischen Innenpolitik und in der Wirtschaft hat der EX-Politiker endlich seine wahre Berufung gefunden und startet mit Bravour auf dem literarischen Parkett neu durch.

Die Höhepunkte seines Lebens dürfte er allerdings schon hinter sich haben, schließlich er legt uns seine Memoiren vor. Während andere damit bis ins hohe Alter zuwarten, präsentiert Mitterlehner sie seiner auserwählten Leserschaft bereits im zarten Alter von nur 63 Jahren. Schließlich muss die Suppe gegessen werden, solang sie noch warm ist. Und wer erinnert sich in zwanzig Jahren noch an Reinhold Mitterlehner. Wohl niemand. Also schnell auf den Markt damit, bevor selbst die angepeilte ÖVP-Leserschaft vergisst, wie jener Mann hieß, den Sebastian Kurz elegant in die Privatwirtschaft geleitet hatte.

„Haltung“ soll das Buch heißen. Allerdings dürfte es nicht allein auf Mitterlehners Kappe gehen. Schreibhilfe soll der Kurzzeit-Vizekanzler nämlich von der „Falter“-Redakteuerin Barbara Toth erhalten haben. Die Bundes-ÖVP dürfte so erfreut über das neue Elaborat sein, dass ihr vor lauter Begeisterung glatt die Worte im Hals stecken geblieben sind. Stellungnahmen werde es keine geben – hieß es lapidar.

[Text: A.l.; Bild: wikipedia.org/Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY 2.0]