US-Präsident Barack Obama hat eine seltsame Logik. Die Erfolge der syrischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Rebellen und den IS sei ein „Zeichen der Schwäche“ von Präsident Baschar al-Assad, behauptete er allen Ernstes. Tatsächlich gewinnt Assad dank der seit letztem Herbst andauernden russischen Unterstützung aus der Luft zunehmend die Oberhand in dem mittlerweile seit fünf Jahren dauernden Bürgerkrieg. Das hat aber nicht nur Folgen für Syrien, sondern für die gesamte Region. „Natürlich hat die Präsenz Russlands in Syrien die Sicherheitsatmosphäre und das Machtgleichgewicht verändert“, sagte der iranische Verteidigungsminister Hosein Dehghan während eines Besuches in Moskau.

Währenddessen droht sich der Stellvertreterkrieg in Syrien wegen der Schlacht um die strategisch wichtige Stadt Aleppo in einen großen Krieg auszuweiten, in den die Weltmächte hineingezogen werden könnten. Über die komplizierte Lage und die Allianzen schreibt die „Washington Post“: „Russische Kriegsflugzeuge bomben von der Luft aus. Irakische und libanesische Milizen, unterstützt von iranischen Beratern, stoßen am Boden vor. Ein Zusammenschluss von syrischen Rebellen, unterstützt von den Vereinigten Staaten, der Türkei, Saudi-Arabien und Katar kämpft, um sie aufzuhalten. Kurdische Kräfte, die sowohl mit Washington als auch mit Moskau verbündet sind, ziehen aus dem Chaos einen Nutzen und dehnen die kurdischen Gebiete aus. Der Islamische Staat hat sich einige kleine Dörfer geschnappt, als die Aufmerksamkeit auf die anderen Gruppen gerichtet war.“ Angesichts der verworrenen Lage und der Interessen der in den Konflikt involvierten Lage sei die Gefahr „so groß wie nie zuvor“, dass es einem „Mini-Weltkrieg“ kommen könnte.

 

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[Bild: Abram Pinnington/flickr]