Der ORF, der zur Abdeckung seines Lochs in den Finanzen eine Erhöhung der Zwangsgebühren überlegt, ist von Gesetzes wegen eigentlich zur Objektivität verpflichtet. In Vorwahlzeiten scheint jedoch die Parteinahme für den grünen Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen im Mittelpunkt zu stehen. Und so durfte eine Demographieexpertin mit dem Namen Judith Kohlenberger, die am Wittgenstein-Zentrum für Demographie tätig ist, am Montag im Ö1-„Mittagsjournal“ gleich sechs Minuten lang über die angeblichen Vorzüge der Migration für Österreich plaudern.

Zwar stelle die Masseneinwanderung Österreich, wie Kohlendorfer zugeben musste, etwa in den Bereichen Arbeitsmarkt und Sozialstaat, auch vor Herausforderungen, biete aber insgesamt eine „Chance“ für die alternde heimische Gesellschaft. Schließlich zeige die „empirische Forschung“ – wie genau diese aussieht, wollte der Interviewer des Staatsfunks nicht wissen –, dass die Einwanderer ein hohes Bildungsniveau sowie einen „starken Unternehmergeist“ hätten. Somit sei es nur eine Frage der Zeit, wird unterstellt, bis einer neue Gründerwelle über die Alpenrepublik rollt. Tatsächlich sind viele der von Kohlenberger so gelobten „Migranten“ als Betreiber von „Halal“-Fleischereien tätig und fördern somit die Entstehung von Parallelgesellschaften.

Richtig einseitig wird die „objektive Berichterstattung“ des ORF aber, wenn die „Demographieexpertin“ unwidersprochen über das angeblich hohe Bildungsniveau der „Geflüchteten“ – Kohlendorfer verwendet den politisch korrekten Begriff – schwärmen darf. So habe eine Studie des eigenen Instituts ergeben, dass die Einwanderer aus Syrien, dem Irak und Afghanistan im Durchschnitt ein höheres Bildungsniveau hätten als die Daheimgebliebenen. Daher hätten die Einwanderer auch ein höheres „Bewusstsein“ für den Wert der Bildung, und ihnen müsse deshalb durch „punktgenaue, gezielte Integrationsmaßnahmen“, wozu insbesondere das Erlernen der deutschen Sprache zähle, geholfen werden. Der Spracherwerb sei, so Kohlenberger, für die Kommunikation als Ärzte oder Anwälte wichtig, damit die Einwanderer ihre in der Heimat erworbene Qualifikation auch in Österreich ausüben können. Der ORF will uns also weismachen, dass aus Syrien und dem Irak zwar nicht überdurchschnittlich viele Ärzte und Ingenieure kommen, aber immerhin Ärzte und Anwälte in großer Zahl.

Aber es geht noch unglaubwürdiger: Da stellt Kohlenberger – natürlich wieder unwidersprochen – unter Berufung auf eine Studie des eigenen Instituts die Behauptung in den Raum, die nach Österreich gekommenen Syrer, Iraker und Afghanen hätten „liberale Einstellungen zu Themen wie Geschlechtergerechtigkeit“. Und überhaupt sei eine „diversifizierte“, also eine ethnisch fragmentierte Gesellschaft „in einer globalisierten Welt zu begrüßen“, und das „Humankapital der Migranten“ sei zu nutzen.

 

[Text: B. T.; Bild: ZZ-Archiv]