Mit dem Tod von Präsident Islam Karimow steuert Usbekistan einer ungewissen Zukunft entgegen. Der 78-jährige Langzeitherrscher – er regierte die zentralasiatische Republik seit ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion im Jahr 1991 mit harter Hand – hatte es unterlassen, zu Lebzeiten seine Nachfolge zu regeln. Als wahrscheinlichster Nachfolger gilt Ministerpräsident Schawkat Mirsijojew.

In der Region hofft man, dass der Machtwechsel in Usbekistan reibungslos über die Bühne geht. Denn ein von Gewalt begleiteter Machtwechsel hätte, wie die „Washington Post“ schreibt, „Schockwellen für ganz Zentralasien und darüber hinaus“ zur Folge. Zudem sei Usbekistan, mit knapp 32 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste der insgesamt fünf aus der Konkursmasse der Sowjetunion hervorgegangenen zentralasiatischen Republiken, „entscheidend für die politische Stabilität und wirtschaftliche Integration der Region“. Vor allem droht sich das Problem mit dem Islamismus zu verschärfen. Zwar ging Karimow mit aller Härte gegen islamistische Gruppen vor, aber Korruption sowie Armut in dem an Bodenschätzen reichen Land trieben den Islamisten Nachwuchs in die Hände.

Die russische Analystin Anastasia Kazimirko-Kirillowa weist darauf hin, dass Al Kaida und Taliban-Zellen, die Islamische Bewegung von Uskekistan sowie viele kleinere radikale Islamistengruppen aktiv neue Unterstützer rekrutieren. Und nun drohe sich die Lage dramatisch zu verschlimmern: „Der Tod von Karimow eröffnet dem IS die Tore, seine Arbeit in Usbekistan zu beginnen. Wenn die Eliten scheitern, sich auf einen starken Nachfolger zu einigen, wird das Land zu einem Nährboden für Instabilität und einer der Bezugspunkte für den IS werden.“

 

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[Bild: Kremlin.ru]