In Syrien bahnt sich ein neuer Konflikt an. Gute eine Woche, nachdem die USA am 15. Jänner bekannt gaben, eine 30.000 Mann starke Grenzschutztruppe (BSF) aufbauen zu wollen, die in den nordsyrischen Kurdengebieten an der Grenze zur Türkei operieren sollen, hat die Türkei eine Militäroperation gegen diese begonnen.
Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die USA heftig kritisiert „Ein Land, das wir einen Verbündeten nennen, besteht darauf, an unserer Grenze eine Terrorarmee aufzustellen“. Erdogan spielte auf den Umstand an, dass die BSF von der Kurdenmiliz YPG, die Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hat, angeführt wird. Ankara betrachtet YPG und PKK als terroristische Vereinigungen. Erdogan drohte daher, die BSF zu „strangulieren, noch bevor sie geboren ist“ .
Wie ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums der „Defense Post“ sagte, stellten rund 15.000 Kämpfer der „Syrischen Demokratischen Kräfte“, die von der YPG dominiert werden, den Grundstock für die neue Grenzschutztruppe dar. Zudem handle es sich um eine „Neuordnung“ der „Syrischen Demokratischen Kräfte“, weil deren „Kampf gegen den IS nun dem Ende zugeht“. DieUSA wollen auch nach dem Sieg über den IS einen Fuß in Syrien behalten, um so die von Russland sowie der Türkei und dem Iran betriebene Befriedung Syriens notfalls torpedieren zu können. So sprach der stellvertretende syrische Außenminister Faisal Mikdad von einem „Versuch, Syrien zu teilen und die Krise im Land zu verlängern“. Ähnlich sieht es der Verbündete Russland.
Außenminister Sergej Lawrow warnte vor „ernsthaften Folgen für die Aufrechterhaltung der territorialen Unversehrtheit Syriens“. Darüber hinaus setzten die USA ihre Bewaffnung der Kurden fort. Wie kürzlich bekannt wurde, lieferten sie MANPADS, das sind leicht handhabbare Ein-Mann-Boden-Luft-Raketen. Sollte es zu einem militärischen Konflikt mit der Türkei kommen, hätten die syrischen Kurden somit eine gewisse Fähigkeit zur Luftverteidigung.
Im vergangenen August hatten die USA zur Beruhigung ihres NATO-Partners Türkei noch versprochen, die Waffenlieferungen an die Kurden einzustellen. Dementsprechend enttäuscht zeigte sich der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu bei einem Treffen mit seinem USAmtskollegen Rex Tillerson am 16. Jänner in Washington: „Jetzt zählen nur Taten. Wir haben so viele gebrochene amerikanische Versprechen gesehen.“

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[Bild: Veterans Today]