Richtige Freude scheint im Westen und seinen Systemmedien nicht aufzukommen, nachdem die syrische Armee von Präsident Baschar al-Assad den IS aus der Stadt Palmyra vertreiben und damit den Dschihadisten eine empfindliche Niederlage beibringen konnte. Zwar wurde mit sichtlicher Erleichterung festgestellt, dass die Zerstörungen der antiken Stätten, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen, doch nicht so schlimm seien wie ursprünglich befürchtet worden war.

Warum über die Befreiung Palmyras kein richtiger Grund zur Freude aufkommt, ist klar: Es handelt sich auch um einen großen Erfolg Assads. So ist z. B. in der heutigen Ausgabe der Zeitung „Die Presse“ unter der Überschrift „Das Dilemma der Eroberung Palmyras“ zu lesen: „Dass es ausgerechnet das Regime ist, das hier Territorium zurückerobert, ist der große Wermutstropfen. Denn es ist auch ein Sieg des Damaszener Regimes, das mithilfe der Regimetruppen, libanesischer Hisbollah-Kämpfer und russischer Luftunterstützung bewiesen hat, dass es militärisch effektiv gegen die Dschihadisten des IS vorgehen kann. (…) Baschar Assad kann sich mit diesem Erfolg nun auch im Westen als wichtiger Partner im Antiterrorkampf vermarkten.“

Indessen wird erneut Kritik an der Untätigkeit des Westens, insbesondere der USA, gegenüber dem IS bekannt. Hätte Washington wirklich gegen den islamistischen Terrorismus gekämpft, wäre Palmyra nicht an den IS gefallen, sagte eine Beraterin Assads dem Sender Russia Today. Demnach habe die US-geführte Koalition, die ihre Luftkampagne in Syrien ein Jahr vor Russlands Intervention gestartet hatte, „keinen Finger gerührt“, um die Terroristen des IS daran zu hindern, Palmyra zu besetzen, sagte Bouthaina Shaaban.

 

[Text: B. T.; Bild: Bernard Gagnon/wikimedia.org]