Die Erstellung der ÖVP-Bundesliste zeigt deutlich, dass es dem zum Türkisen mutierten Sebastian Kurz ausschließlich darum geht, zum Zwecke der Stimmenmaximierung alle möglichen Wählergruppen anzusprechen. Ob aber diese Personen, die in den Nationalrat einziehen werden, als Politiker dem Lande Dienste erweisen werden können, scheint hingegen keine Rolle zu spielen. So ist der frühere grüne Bundesrat Efgani Dönmez als Signal an gut integrierte Zuwanderer zu sehen, Herr Engelberg als Signal an die Israelitische Kultusgemeinde, Frau Grünberg soll Sportler und Behinderte anspreche, der Mathematikprofessor Taschner wissenschafts- und bildungsaffine Wähler und Herr Moser Personen, die für Sparsamkeit sind.

Das Phänomen der Quereinsteiger ist übrigens nicht auf die ÖVP beschränkt. Bekanntlich kandidieren auf der Liste des Ex-Grünen Peter Pilz ebenfalls Newcomer, und die Neos hoffen, mit der ehemaligen Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss reüssieren zu können. Und dann gibt es schließlich noch Personen, die in ihrer politischen Laufbahn viermal die Partei gewechselt haben.

Sogenannte Quereinsteiger, also Personen, die in anderen Bereichen Bekanntheit erlangt haben, sind jedoch nur wahltaktisch von Nutzen. Nach der Wahl hingegen sinkt ihr Wert – wie sich insbesondere in den 90er Jahren unter Jörg Haider zeigte – meist gegen Null. Schließlich ist Politik keine Show, sondern ein Handwerk, das erlernt werden muss. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet wird Kurz nach dem 15. Oktober wohl bald unliebsame Überraschungen erleben. Und obendrein stellt sich die Frage, wie lange es sich gestandene ÖVP-Funktionäre gefallen lassen werden, dass ihnen der Parteichef in seiner nun schier unglaublichen Machtfülle Personen, denen jede politische Erfahrung fehlt, vor die Nase setzt.

Auf Quereinsteiger verzichtet hingegen die SPÖ. Aber das ist für die Roten kein Problem, weil sie über genügend Bonzen verfügen, mit denen sich die Listenplätze besetzen lassen. Und darüber hinaus haben die Genossen in Tagen wie diesen bekanntlich ganz andere Probleme.

 

[Text: A. M.; Bild: Johannes Zinner/SPÖ Presse und Kommunikation; Dragan Tatic/Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres]