Herr Dr. Roberts, wenn man sich die Mainstream-Medien anschaut, gewinnt man den Eindruck, dass es eine Anti-Trump-Hysterie gibt. Warum wird Trump als sexistisch und rassistisch sowie als völlig unberechenbares Sicherheitsrisiko dargestellt?
Paul Craig Roberts: Trump ist im herrschenden Establishment ein Außenseiter. Er wird als Gefahr für die Kontrolle durch die Oligarchie und den Missbrauch der USMacht betrachtet.

Und warum bevorzugen die Mainstream-Medien Hillary Clinton?
Roberts: Hillary wird von der Oligarchie gekauft und bezahlt, wie das persönliche Vermögen der Clintons von 120 Millionen Dollar und die 1.600 Millionen der Clinton-Stiftung bezeugen. Während der zweiten Amtszeit von Bill Clinton wurde es dem reichsten Prozent der Bevölkerung erlaubt, entgegen der amerikanischen Tradition und des Kartellrechts 90 Prozent der US-Medien in der Hand von sechs Mega-Konzernen zu konzentrieren. Die Medien dienen der Regierung und den globalen Konzernen, nicht aber der Wahrheit. In den USA sind die Medien auch als „presstitutes“ bekannt, als Verschmelzung der Wörter „press“ (Presse) und „prostitutes“ (Prostituierte).

Was denken Sie: Wer wird das Rennen machen, Clinton oder Trump?
Roberts: Die starke Unterstützung für Trump und den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Sanders lässt darauf schließen, dass die Menschen einen Wechsel wollen weg von der Oligarchie. Aber die Frage könnte von denen entschieden werden, die die elektronischen Wahlmaschinen, bei denen es keinen Papierbeweis gibt, programmieren. Zudem können die Medien in letzter Minute einen Skandal zu Trump produzieren, sodass er vor der Wahl keine Zeit hat, die Vorwürfe zu widerlegen.

Wie anfällig ist das US-Wahlsystem für Betrug? Kennen Sie Beispiele für Wahlbetrug in den USA?
Roberts: Wahlbetrug ist in den USA weitverbreitet. Manchmal beteiligt sich sogar das Oberste Gericht der USA daran, etwa, als das Gericht durch Verweigerung der Neuauszählung George W. Bush die Präsidentschaft zuerkannte. Zuletzt wurde ich informiert, dass die elektronischen Wahlmaschinen von einem im Privatbesitz befi ndlichen Unternehmen programmiert werden. Das Programm ist ein Geschäftsgeheimnis und wird – wie die Rezeptur von Coca Cola – nicht bekanntgegeben. Das Programm sagt den Maschinen, wie die Stimmen zu dokumentieren sind.

Seit Gründung der Vereinigten Staaten sind die Amerikaner stolz auf ihre Verfassung und ihre Demokratie. In welchem Zustand befi ndet sich die US-Demokratie heute?
Roberts: Wie der frühere Präsident Jimmy Carter sagte, sind die USA heute eine Oligarchie, aber keine Demokratie.

Können Sie bitte kurz erklären, warum die USA heute eine Oligarchie sind?
Roberts: Das Democrat National Committee (DNC – Parteiapparat der Demokraten, Anm.) hat einen anderen Weg, um Betrug in Öffentlichkeit zu begehen. Der Betrug ist bekannt als „Super-Delegierte“. Diese Delegierten wählen den Präsidentschaftskandidaten der Partei, der vom DNC bestimmt wurde, aber nicht von den Wählern in den Vorwahlen.
Das DNC führte die Super-Delegierten vor vielen Jahren ein, um sicherzustellen, dass die Wähler nicht einen Kandidaten auswählen, den das Establishment der Partei nicht will. Es gibt erhebliche Beweise dafür, dass Bernie Sanders die Nominierung der Demokraten gewann und nicht Hillary Clinton. Aber es gab in zusätzlich zu den Super-Delegierten bei den Vorwahlen in einigen Bundesstaaten Wahlbetrug. Sanders’ Programm war anders als das der Oligarchie, weshalb er zur Seite gedrängt wurde.

In den vergangenen Jahren hatten die USA höhere Wachstumsraten als die Euro-Zone. Haben sich die Vereinigten Staaten von der Finanzkrise 2008 erholt?
Roberts: Es gab keine Erholung. Die Wachstumsraten wurden künstlich hergestellt, durch Unterbewertung der Infl ation. Mit anderen Worten: Das „Wachstum“ besteht aus Preissteigerungen, nicht aus einer echten Leistungssteigerung.

Und wie sehen Sie die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve sowie der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan? Wie es scheint, profi tieren nur die Aktienmärkte davon.
Roberts: Die Federal Reserve druckt Geld, um die Bilanzen der Mega-Banken zu stützen, und die Notenbanken Japans, der EU und Großbritanniens drucken Geld, um den Dollar zu stützen. Nicht viel von diesem Geld findet den Weg in die Wirtschaft. Stattdessen fl ießt das Geld in Finanzanlagen und treibt die Preise für Aktien und Anleihen in die Höhe.

Für uns in Europa ist sehr wichtig, wie sich die Dinge im Nahen Osten und in Nordafrika entwickeln werden und ob sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland verbessern oder verschlechtern. Was können wir hier von einer Präsidentin Clinton erwarten?
Roberts: Von einer Präsidentin Clinton können Sie einen Krieg mit Russland erwarten, voraussichtlich auch mit China.

Und was können wir uns von einem Präsidenten Trump erwarten?
Roberts: Trump hat gesagt, dass er keinen Sinn in einem Konfl ikt mit Russland sieht, dass Russland eine Möglichkeit zu Geschäften ist und nicht zu einem Krieg.

Im Wahlkampf 2008 verwendete Barack Obama den Spruch „Wie können an den Wandel glauben“. Wie sehen Sie Obamas zu Ende gehende Präsidentschaft? Sehen einen Wandel in der Außen- und Sicherheitspolitik Obamas im Vergleich zu seinem Vorgänger George W. Bush?
Roberts: Das Obama-Regime wurde vom selben neokonservativen Personal besetzt, das schon das Bush-Regime kontrollierte und das der US-Weltherrschaft verpfl ichtet ist. Unter Obama wurde der Krieg in Afghanistan verlängert, Krieg und Chaos wurden nach Libyen gebracht, und dann wurde der IS nach Syrien geschickt, um Assad zu stürzen, als das britische Parlament die Unterstützung einer US-Invasion in Syrien verweigerte und es der russischen Regierung gelang, die Angelegenheit, den Abzug chemischer Waffen aus Syrien, diplomatisch zu lösen. Washington beabsichtigt, Chaos, das von Libyen und dem Irak nach Syrien gebracht wurde, von dort aus weiter in den Iran und die islamischen Provinzen der Russischen Föderation und China zu tragen. Das ist die Strategie Washingtons zur Beseitigung der russischen und chinesischen Beschränkungen des US-Unilateralismus. Obama setzte auch die Angriffe des Bush-Regimes auf die amerikanische Bürgerfreiheit fort. Obama setzte die verfassungswidrige Praxis der unbefristeten Internierung amerikanischer Bürger ohne Beweise und ohne Verurteilung durch ein Gericht fort, und er ging sogar so weit, indem er das Recht zur Hinrichtung amerikanischer Bürger ohne ordentliches Gerichtsverfahren forderte. Bush und Obama haben gemeinsam die US-Verfassung zerstört und den Schutz, den sie der Freiheit der Amerikaner gewährte.

 

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