Europa wird nicht müde, wenn es darum geht, den Ereignissen des zweiten Weltkrieges zu „gedenken“. Kaum ein vermeintlicher Anlass wird ausgelassen, bei dem uns die einstigen Siegermächte mit aller zur Verfügung stehenden Medienmacht vor Augen führen, wie moralisch verwerflich die Besiegten und wie heldenhaft, aufopfernd und edel sie selbst agiert hätten.

Im umgekehrten Fall erweisen sich die Moralapostel als wenig einsichtig und überaus dünnhäutig.

Vor nunmehr 200 Jahren wurde dem Treiben Napoleons, der für die Franzosen ganz Europa erobern und beherrschen wollte, bei Waterloo durch die damals alliierten Preußen und Engländer unter Blücher und Wellington ein Ende gesetzt.

Belgien, auf dessen Staatsgebiet sich der Ort der Entscheidungsschlacht befindet, wollte nun anlässlich des zweihundertsten Jahrestages der Schlacht bei Waterloo eine Zwei-Euro Gedenkmünze prägen.

Allein, Frankreich, das mit Deutschland bekanntlich den Ton in der EU angibt, protestierte mit der Begründung, dass eine derartige Gedenkmünze in Frankreich eine ungünstige Stimmung auslösen würde. Ja mehr noch, sie wollten sogar den EU-Ministerrat mit dieser kleinkarierten Peinlichkeit befassen. Belgien hat daraufhin sein Unterfangen aufgegeben.

Entlarvend für ihre Doppelzüngigkeit ist auch die Argumentation der „Grande Nation“, die selbst eine Zwei-Euro Gedenkmünze zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie herausgegeben hat: „Die Glorifizierung einer Zeit des Konflikts wäre der europäischen Einigung abträglich.“

 

W. T.

 

 

(Bild: Zweieuro.com)