Auch im Krieg geht das Leben weiter, meist allerdings nur deutlich bescheidener. Doch gerade das Weihnachtsfest vermochte in zahlreichen Schlachten die Waffen ruhen zu lassen. Legendär wurde der Weihnachtsfriede von 1916, als deutsche und britische Soldaten gemeinsam feierten. Doch auch heute verbringen unzählige Männer und Frauen das Fest Christi Geburt fernab der Heimat. Zu Weihnachten feiert die Christenheit das heilsgeschichtliche Wunder der Geburt Christi.
1944 wurde das Weihnachtsfestselbst als Wunder empfunden, denn alles sprach ja dagegen,dass man Weihnachten „wiegewohnt“ feiern könnte. Wo es gelang, wurde das Gewöhnliche zum Außergewöhnlichen, das sich unauslöschlich in die Erinnerung einprägte. Krieg steigert die Intensität des Weihnachtserlebnisses.
Die Verheißung von Frieden auf Erden verliert alles Formelhafte und wird zur existenziellen Überlebenshoffnung. Die vertrauten Rituale des Festes erinnern daran, wie kostbar der gewohnte Gang der Dinge, das Gleichmaß des normalen Lebens sind. Kriegsweihnacht ist so etwas wie das Fronterlebnis mit umgekehrtem Vorzeichen.
Im August 1914 war man in dem falschen Glauben, zu Weihnachten wieder zu Hause zu sein, begeistert in den Krieg gezogen. Ende des Jahres war der Bewegungskrieg zum Stellungskrieg erstarrt. An manchen Stellen der Front lagen sich die Gegner in Rufweite gegenüber.
An verschiedenen Frontabschnitten, vor allem aber in Flandern, wo sich Deutsche und Briten gegenüber lagen, vereinbarten Soldaten beider Seiten ohne Autorisierung von oben eine weihnachtliche Waffenruhe, tauschten Geschenke aus und spielten sogar Fußball miteinander.
Die Führungsstäbe beider Armeen sollen getobt und drakonische Strafen bis zur Erschießung der verantwortlichen Offiziere gefordert haben. Weder auf deutscher noch auf englischer Seite aber ist je bekannt geworden, ob überhaupt irgendjemand disziplinarrechtlich zur Rechenschaft gezogen wurde. Nur einen Tag später lagen sich die Männer in den schlammigen Schützengräben wieder gegenüber.
Wenig bekannt ist, dass es auch 1944, als in den Ardennen heftig gekämpft wurde, zu so etwas wie einem Weihnachtsfrieden en miniature kam. In der Eifel erzählt man sich folgende Weihnachtsgeschichte: Eine ausgebombte Aachener Familie wohnte in einer Baracke im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Am Heiligen Abend kochte die Mutter gerade Hühnersuppe, als es klopfte. Zwei amerikanische Soldaten mit einem verwundeten Kameraden standen vor der Tür. Die Mutter bat sie ins Haus und lud sie zum Essen ein.
Bald darauf klopfte es wieder. Diesmal waren es deutsche Soldaten.

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[Bild: warrelics.eu]