Die Vorstellungen des einfachen Bürgers über die Arbeit von Geheimdiensten wird oftmals durch Spionagefilme geprägt und weniger durch fachliche Berichterstattung. Dies liegt natürlich in der Natur der Sache, wie der Name Geheimdienst schon zum Ausdruck bringt.
Über Erfolge und Misserfolge wird in den meisten Fällen erst Jahre nach den Operationen berichtet. Selbst der Name des Leiters des britischen Geheimdienstes MI 6, bekannt durch James Bond, wurde lange Zeit nicht preisgegeben. Das vorzeitige Bekanntwerden von Operationen ist bereits ein Misserfolg. Und dies sollte als der eigentliche Skandal gelten.
Wer hat die Abhöraktionen des BND in Österreich an die Medien weitergeleitet? Dies ist die Frage, die auf deutscher Seite gestellt werden müsste. Haben die österreichischen Dienste von den Aktionen gewusst? Wurde man über relevante Informationen hinsichtlich Terrorabwehr oder unfreundlicher Spionage unter dem Deckmantel internationaler Organisationen informiert? Dies sind die Fragen, die auf österreichischer Seite gestellt werden müssten. Sollten diese bejaht werden, dann erzählen Sie es uns bitte nicht. Das wäre ein geheimdienstlicher Misserfolg.
Das Ausspähen unter Freunden wird von den Regierungen zwar offi ziell kritisiert, jedoch ist man sich, im Unterschied zu vielen Medien, darüber im Klaren, dass genau dafür die Dienste Steuergelder erhalten. So fi el nach dem NSA-Skandal der Merkel’sche Satz: „Spionieren unter Freunden – das geht gar nicht.“ Und nun der Kurz’sche Satz: „Ausspähen unter Freunden ist nicht in Ordnung.“ Um die eingangs erwähnten Filme zu bemühen: „Ist das legal?“ „Natürlich. Jeder hört jeden ab!“ Ein sinngemäßer Dialog aus dem Streifen „Nixon“.
Und in diesem Sinne und im Bewusstsein, dass mittels moderner Technologie sogar Unternehmen und Privatpersonen ungezählte Ausspähmöglichkeiten haben, wünscht der Verfasser den Analytikern beim BND in Pullach alles Gute. „Ein Weißbier bitte. Weder geschüttelt noch gerührt. Nur gut eingeschenkt.“

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