Zu einem Musterbeispiel überbordender Bürokratie verkommt hierzulande die nicht enden wollende Diskussion um eine dritte Start- und Landepiste am Flughafen Wien-Schwechat. Die Planungen hierzu wurden bereits 1996, kurz nach Österreichs EU-Beitritt im Jahre 1995, konkret und es wurde wegen der vom Flughafenbetreibers argumentierten Notwendigkeit aufgrund des zu erwartenden steigenden Flugaufkommens mit einem relativ raschen Baubeginn gerechnet. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt – mittlerweile läuft die Planung bereits seit 22 Jahren.
Der Bau der dritten Piste sorgt auch politisch für Gesprächsstoff: Während die Grünen, die immerhin in Wien noch politisches Gewicht haben, naturgemäß gegen den Ausbau sind, haben sich sowohl Vizekanzler Strache und besonders Verkehrsminister Hofer wiederholt für den Bau ausgesprochen, da Wien schon aufgrund seiner geographischen Lage für die steigenden Luftfahrtkapazitäten der Zukunft gerüstet sein müsse. Die Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern der dritten Piste enthält zusehends eine emotionale Komponente, die wohl auch der langen Verfahrensdauer geschuldet ist. Auch die Flughafen Wien AG als Betreiber wirbt intensiv für den Bau der dritten Piste und unterstreicht ihre Haltung mit klaren Worten: „Entweder 30.000 neue Jobs bei uns. Oder in Bratislava.“
Nun hat sich eine Bürgerinitiative, die den Ausbau verhindern will, an den Verfassungsgerichtshof gewandt, der bereits 2017 den Bau damals aus Umweltschutzgründen verboten hat. Im März des heurigen Jahres wurde dann seitens des Bundesverwaltungsgerichts doch noch eine Baubewilligung erteilt – allerdings mit erheblichen Auflagen hinsichtlich des Umwelt- und Lärmschutzes. In einem Facebook-Posting der Seite „Ja zu dritten Piste“ wird beklagt, dass alleine die im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) anfallenden Unterlagen ein Ausmaß angenommen haben, welches vier volle LKW-Ladungen mit Papier füllen könnte.
Ob sich der Wirtschaftsstandort Österreich dieses ständige Hin und Her in dieser Frage noch leisten kann, darf bezweifelt werden, denn sollte es nicht rasch zu einer klaren Regelung kommen, ist davon auszugehen, dass in Zukunft andere Standorte – wie eben der geographisch nahe gelegene Flughafen Bratislava/Pressburg – von der gestiegenen Nachfrage im Luftfahrtsektor profitieren werden.

[Text: M.S.; Bild: Wikipedia/Hansueli Krapf; Lizenz: CC BY-SA 3.0]