Der mysteriöse Tod des Staatsanwalts Alberto Nisman am 18. Jänner – angeblich soll er sich erschossen haben – bleibt das beherrschende innenpolitische Thema in Argentinien. Kritiker von Cristina Fernandez de Kirchner werfen der linkspopulistischen Präsidentin vor, Nisman habe töten zu lassen. Denn der Staatsanwalt, der einen Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum im Jahr 1994 mit Dutzenden Todesopfern untersuchte, wollte angeblich einen Haftbefehl gegen Kirchner ausstellen lassen. Sie und ihr Gatte und Vorgänger Nestor Kirchner, so der Vorwurf, hätten aus wirtschaftlichen Gründen die Beteiligung des Iran an dem Anschlag um jeden Preis verschleiern wollen.

Doch nun geht Cristina Kirchner laut Medienberichten zum Gegenangriff über. Über Gustavo Lopez, einem hochrangigen Mitarbeiter der Präsidentschaftskanzlei wirft sie den USA vor, mit dem Tod Nismans einen Vorwurf für ihren Sturz zu schaffen: „Wir sehen uns dem Versuch eines Staatsstreichs gegenüber mit dem Ziel, die Präsidentin loszuwerden, dieses seit 2003 regierende politische Projekt zu beenden und die neoliberalen konservativen Kräfte an die Macht zu bringen, die über Jahrzehnte zu ihrem eigenen Vorteil regiert haben.“

Zwischen Washington und Buenos Aires herrscht Eiszeit, weil sich dieses wirtschaftlich bedeutende Land unter den Kirchners den lateinamerikanischen Linken angeschlossen hat, deren Galionsfigur der vor zwei Jahren verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chavez war. Ein Regimewechsel in Argentinien wäre also durchaus im US-Interesse.

 

B. T.

 

 

(Bild: Presidencia de la Nacion/wikimedia.org)