Wir erinnern uns noch gut, als Heinz-Christian Strache vor einigen Wochen Viktor Orban einen Platz in der nationalen EU-Fraktion anbot, nachdem die EU gegen Ungarn ein sogenanntes „Vertragsverletzungsverfahren“ eingeleitet hatte. Damals stärkte Sebastian Kurz dem Eurokraten Othmar Karas den Rücken und unterstützte das Votum der EVP-Fraktion für diesen fragwürdigen Akt. Sogar das Abstimmungsgebaren musste adaptiert werden, um die Gehässigkeit gegen den in seinem Heimatland äußerst beliebten Staatsmann – immerhin von mehr als der Hälfte der Ungarn gewählt – durchzupeitschen.

Wir erinnern uns auch gut an Sebastian Kurz, der dieses Artikel-7-Verfahren begrüßte, ja sogar die Geschlossenheit der EVP-Abstimmung gegen Orban und seiner „Fidesz“-Partei einforderte.

Und heute? Heute ist alles anders. Sebastian Kurz will Orban und seine „Fidesz“ plötzlich weiterhin in der EVP-Fraktion behalten und wendet sich gegen einen Ausschluss. Das Feuer bräuchte er allerdings gar nicht zu löschen, hätte es seine Fraktion seinerzeit nicht mitentfacht.

Anlass des Kurz-Interviews war eine Passage eines Interviews mit dem pensionsreifen Noch-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, der dazu herabließ, ausgerechnet Ungarn die „christlich-demokratischen Werte“ abzusprechen, auf die die „EVP“ gegründet sei.

Was Christentum mit Othmar Karas, Ernst Strasser oder Jean-Claude Juncker zu tun hat, wissen diese Herren offenbar nur selbst. Juncker rühmt sich übrigens gerne in Interviews, in Luxemburg seinerzeit als einer der Ersten gegen den Widerstand der Kirche die Homo-Ehe durchgebracht zu haben, während Viktor Orban in Ungarn eine Kirche nach der anderen renovieren lässt. Der Bürger sieht also sehr deutlich, wo „christliche Werte“ herrschen und wo der Geist der säkularisierten Logen! 

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/MSC; Lizenz: CC BY 3.0 DE]