Viele Nicht-Mohammedaner fühlen sich von den Rufen des Muezzins gestört – vor allem, wenn diese noch von einem Lautsprecher verstärkt werden. Der israelische Ministerrat hat nun einen Gesetzesentwurf angenommen, der den von Minaretten ausgehenden Lärm verhindern und die Verwendung von Lautsprechern verbieten will. „Hunderttausende israelische Bürger – in Galiläa, Negev, Jerusalem, Tel Aviv-Jaffa und anderen Orten in Zentral-Israel – leiden regelmäßig und täglich unter dem Lärm, der von Muezzin-Rufen verursacht wird“, heißt es in der Begründung.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagt zu der für viele unerträglichen, durch Lautsprecher verursachten Lautstärke muselmanischer Gebetsrufe: „Moslems, Juden und Christen leiden darunter. Ich kann nicht zählen, wie oft Bürger aus allen Bereichen der israelischen Gesellschaft an mich herangetreten sind und sich darüber beschwert haben, wie sehr sie unter der übermäßigen Lautstärke leiden, die von Häusern der Gottesverehrung ausgeht.“ Motti Yogev von der zionistischen Partei „Jüdisches Heim“, der einer der Initiatoren des Gesetzes ist, weist darauf hin, dass es vor hundert Jahren noch keine Lautsprecher gab und stellt laut „Ynet News“ die Frage: „Was haben die Muezzins damals gemacht?“

Kritiker bezeichnen den Gesetzesentwurf der Regierung Netanjahu als „rassistisch“. Befürworter des Gesetzes weisen hingegen darauf hin, dass es nicht hinnehmbar sei, dass Nicht-Moslems zum Teil um 4 Uhr in der Früh vom Muezzin „geweckt“ werden. Der Zeitpunkt der fünf täglichen, für Mohammedaner verpflichteten Gebete richtet sich nach dem Sonnenstand, weshalb es zu jahreszeitlichen Schwankungen kommt. Bevor das Gesetz in Kraft treten kann, ist jedoch noch die Zustimmung des israelischen Parlaments nötig.

 

[Text: B. T.; Bild: BiHVolim/wikimedia.org]