Die Grünen in der Bundesrepublik oder zumindest einige Vertreter der Partei dürften allmählich begreifen, dass sie mit ihrer Art der Politik den Bürger nicht erreichen. Vor allem dort, wo die Partei Regierungsverantwortung übernimmt, werden linke Träumereien schnell von der politischen Realität eingeholt.

Kam Anfang des Jahres der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer in die Kritik seiner Parteigenossen, weil er gegen die offizielle „Refugee Welcome“-Politik seiner Partei forderte, die EU-Außengrenzen mit einem Zaun und bewaffneten Grenzern zu sichern, um mehr Flüchtlinge abzuweisen, ist es nun der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der augenscheinlich den kommunistischen Ansichten seiner Jugendjahre endgültig entsagt.

In einem Beitrag in der Zeitung „Die Zeit“ übt er Kritik an der moralisierenden Politkultur der Grünen: „Wir sind keine Heiligen und werden es auch dann nicht, wenn man uns dazu machen will. Wir sollten daher das Moralisieren lassen.“ Woher dieser Sinneswandel kommt, wird deutlich, wenn Kretschmann die Erfolge der AfD indirekt den Grünen und ihrer Politik zuschreibt. So führe die Modernisierung der Gesellschaft dazu, dass sich bei vielen Menschen „das Gefühl der Überforderung zum Gefühl des Kontrollverlusts ausweitet.

Ob die Grünen allerdings zu Selbstkritik fähig sind bleibt fraglich. Denn für seine Aussage bezüglich der Ehe, womit er sich – ob aus Gründen des Wählerfangs oder seiner persönlichen Überzeugung – ganz klar gegen die Linie der Partei stellt, erntete er Kritik. „So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen - und das ist auch gut so“, erklärte der baden-württembergische Ministerpräsident.

Kritik gab es dafür von der Grünen Jugend, welche ja auch immer wieder das Inzestverbot aufheben möchte und auch vom grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck. Dieser geisterte erst kürzlich aufgrund von Drogenkonsums wenig vorbildhaft durch die Schlagzeilen geisterte und forderte 1988 im Sammelband „Der pädosexuelle Komplex“ allen Ernstes die Straffreiheit bei Sex zwischen Erwachsenen mit Kindern.

„Bei Familien gibt es in Deutschland eine große Vielfalt. Und diese Vielfalt ist auch gut so. Die klassische Ehe ist in Ordnung. Genauso gut ist die Ehe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen, genauso gut sind Alleinerziehende mit Kindern, ebenso wie das nichteheliche Zusammenleben mit oder ohne Kinder. Familie ist da, wo Kinder sind. Um der Kinder Willen ist der Staat gefordert, alle familiären Formen gleichermaßen zu schützen“, kritisierte Beck via „Spiegel“ seinen Parteigenossen und verdeutlichte einmal mehr die Linie der Grünen.

 

[Text: M . H.; Bild: Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen/flickr]