Eine peinliche Richtigstellung musste die „Washington Post“ vornehmen. Nachdem am Freitag Burlington Electric, ein Energieversorger im US-Bundesstaat Vermont, einen Alarm ausgelöst hatte, weil auf einem Laptop des Unternehmens ein Schadprogramm gefunden worden war, wusste die sonst für gewöhnlich gut informierte Zeitung mit Sitz in der US-Hauptstadt sofort, wer dafür die Schuld trägt: Russland. „Eine russische Operation hackte eine Einrichtung in Vermont“, schrieb die „Washington Post“, was ein Risiko „für die Sicherheit des US-Stromnetzes darstellt“. 

Burlington Electric bestätigte zwar einen verdächtigen Internetverkehr auf einem Computer, allerdings sei das betreffende Gerät nicht mit dem System des Unternehmens verbunden. Weil also auszuschließen ist, dass wieder einmal „russische Hacker“ ihr Unwesen treiben, musste die „Washington Pos“ einen Rückzieher machen: „Eine frühere Fassung dieses Berichts sagte unrichtigerweise, dass russische Hacker ins US-Stromnetz eingedrungen sind. Die Behörden sagen, dass es dafür keinen Anhaltspunkt gibt.“

Der prominente US-Journalist Glenn Greenwald, der maßgeblich an der Veröffentlichung des NSA-Spionageskandals beteiligt war, weist darauf hin, dass die offensichtlich bewusst veröffentlichte Falschmeldung Teil der antirussischen Agenda der USA ist. Für Greenwald ist zeigt die Sache das „zutiefst irrationale und immer höher werdende Fieber, das im politischen Diskurs der USA in Bezug auf die von Moskau ausgehende Gefahr kultiviert wird“.

Offenbar wurde versucht, dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump, der für eine Verständigung mit Russland eintritt, noch vor seiner Amtseinführung am 20. Jänner ein Ei zu legen. Denn die „Washington Post“ war im vergangenen Wahlkampf ganz klar auf der Seite der gescheiterten demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

[Text: B.T. Bild: wikipedia.org Michael Fleischhacker]