Anfang des Monats verkündete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stolz, dass inzwischen alle nach Deutschland eingereisten „Flüchtlinge“ größtenteils registriert seien. Von den Ländern, der Polizei oder mobilen Teams des BAMF seien die Menschen mit Foto und Personendaten erfasst und polizeilich überprüft worden, erklärte BAMF-Sprecherin Andrea Brinkmann. Doch von einer korrekten Registrierung aller Flüchtlinge kann anders als von BAMF und auch Innenministerium behauptet, nicht die Rede sein.

Wie der Polizeisprecher und der Sprecher des Landtratsamtes Fürstenfeldbruck nun berichteten, ermittelt die Polizei in einer Reihe von Betrugsfällen mit der sogenannten Yellow Card. Diese ist eine Art Notausweis für sogenannte Flüchtlinge ohne Papiere für den Zutritt zum Erstaufnahmezentrum. Wird der Asylant später weitergeleitet und einer Kommune oder einem Landkreis zugeteilt, wird diese Karte eingezogen und er erhält ein neues Identitätspapier. Allerdings dauert die Weiterleitung oft Monate. Auf den „Yellow Cards“ sind zwar Fotos der jeweiligen Flüchtlinge abgedruckt. Für Westeuropäer sind aber gerade dunkelhäutige Menschen aus Schwarzafrika oftmals schwer zu unterscheiden. Dazu kommt die schlechte Qualität der Fotos.

Ein Problem sind außerdem die Unterschriften der Flüchtlinge. Oftmals handelt es sich dabei nur um einen Punkt oder einen Bleistiftschwung – eine Identifizierung wird unmöglich. So kann es durchaus vorkommen, dass sich ein Asylbewerber in der Schlange zur Geldausgabe mit einer zweiten „Yellow Card“ ein zweites Mal anstellt und kassiert, ohne dass es jemand bemerkt, schildert der Polizeisprecher. Mittlerweile sind bereits 27 Anzeigen erstattet – und die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus. So gab es den Fall, dass ein Asylbewerber sein Taschengeld (140 Euro im Monat) in der Münchner Bayernkaserne und wenige Tage darauf die gleiche Summe noch einmal in der Erstaufnahme-Einrichtung am Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst kassierte.

Die zusätzlichen Karten, das haben Ermittlungen ergeben, stammen sehr häufig von Flüchtlingen, die Deutschland wieder verlassen haben und sie einfach weitergegeben haben. Manchmal behaupten Flüchtlinge auch, die erste Yellow Card verloren zu haben. Sie bekommen dann – manchmal unter einem neuen Namen – einfach eine weitere. Dazu kommen die Fälle mit doppelt gestellten Asylanträgen – viele Geflüchtete haben keinen Ausweis aus ihrem Heimatland bei sich, wenn sie in Deutschland ankommen. Im Landratsamt glaubt man, dass die Häufung der Betrugsfälle auch ein Wahrnehmungsphänomen sein könnte. Nach den chaotischen Anfängen in der Erstaufnahme habe man nun zunehmend die Möglichkeit, genauer hinzuschauen, sagte ein Sprecher. Die Betrügereien gingen häufig von Scheinasylanten aus sicheren Herkunftsländern aus.



[Text: M. H.; Bild: ZZ-Archiv]