Es blieb der Nachwuchshoffnung der steirischen Volkspartei, dem Jung-Landesrat Christopher Drexler vorbehalten, das Fiasko der sich in der Steiermark selbst als „Reformpartnerschaft“ definierenden, vormaligen Großparteien als Wählerauftrag für eben dieselbe Reformpartnerschaft zu interpretieren.

Ein Wählerauftrag, den – so Drexler – immerhin 58 Prozent der Steirer gegeben hätten, also eine klare Mehrheit. Tunlichst sprach er dabei nicht an, dass diese 58 Prozent an Wählerstimmen bei einer Wahlbeteiligung von 67 Prozent kaum mehr als 40 Prozent der Wählerschaft ausmachen.

Nun ist es zweifellos so, dass eben die abgegebenen Stimmen zählen. In der Schweiz ist der Beteiligungsgrad an den diversen Referenden noch viel geringer und dennoch bindet ihr Ergebnis. So gesehen also hat Drexler recht. Die Legitimation der sich solcherart an der Macht haltenden politischen Kräfte schwindet jedoch dennoch dramatisch bei Wahlergebnissen, wie wir es am vergangenen Sonntag in der Steiermark erlebten.

Und in den Hauptquartieren der etablierten Parteien sowie in den Redaktionsstuben der Mainstream-Medien hat man zweifellos feststellen müssen, dass die Menschen quer durchs Land im Hinblick auf vitale Fragen und Probleme offenbar ganz anders denken, als man ihnen dies mittels veröffentlichter Meinung einreden will.

Wenn etwa 60 Prozent der Arbeiter der „alten Tante“ SPÖ den Rücken kehrten und die ach so bösen Rechtspopulisten wählen, muss man wohl davon ausgehen, dass der Wahlbürger die Lösung der sich für ihn verschärfenden sozialen Probleme nicht mehr im regierenden Parteien-Establishment gewährleistet sieht. Und wenn es einen erdrutschartigen Wahlerfolg der angeblich Xenophobie predigenden Freiheitlichen gibt, muss man ebenso annehmen, dass besagte Wahlbürger auch in Sachen Zuwanderung und Asylpolitik der Lösungskompetenz der Regierenden eine Absage erteilen.

Wenn die Wortspender aus den Parteizentralen und den Medien solche Ergebnisse dann unbeirrt als Wählerauftrag interpretieren, forcieren sie die Delegitimation der herrschenden politischen Kräfte nur. Jene 60 Prozent der Wahlbürger, die durch ihre Gegenstimme oder durch ihre Stimmenthaltung dieser Legitimation ihren Sanctus verweigert haben, müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes „verarscht“ fühlen.

Und wenn Stimmen der Vernunft, welche dafür plädieren, die erstarkte blaue Opposition nun mehr verstärkt in die Verantwortung einzubinden, völlig negiert werden, muss der Wähler zusätzlich das Gefühl bekommen, sein Entscheid werde hier ignoriert und verhöhnt.

Und wozu das bei künftigen Wahlgängen führen wird, ist wohl auch unzweifelhaft.

 

A. M.

 

 

(Bild: Agricola Planitius/wikimedia.org)