Man wird wahrscheinlich vorgeben, dass es gar keine politischen Gründe habe, warum das Facebook-Profilbild des "Instituts für Kulturanalyse", Abteilung Kulturanthropologie, der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Statuen von Marx und Engels zeigt, die tatsächlich für einige Zeit – offenbar mit Genehmigung des Rektorats – auf der Uni-Rampe platziert wurden. Denn diese seien ja nur Überbleibsel eines „künstlerischen Umsturzversuchs“, einer Veranstaltung des Uni-Kulturvereins UNIKUM, im Oktober 2015. Damit es nicht zu einseitig wird, traten auch der „Marxengelschor“ und das Volks-Punk-Duo Attwenger auf, welches mit einem gehässig-derben Lied über „nationale Idioten“ bekannt wurde. Der stellvertretende Institutsvorstand Schönberger – „Zur Zeit“ berichtete bereits – besuchte mit Studenten „antifaschistische“ Tito-Partisanengedenkstätten (Denkmal St. Jakob im Rosental, Partisanenmuseum Perschmannhof in Eisenkappel; Gegendarstellung zu letzterem unter: www.perschmannhof.at).

Im Rahmen des Proseminars gemeinsam mit Herrn Pilgram, dem Geschäftsführer des UNIKUM, mussten alle Studenten kommunistische Partisanendenkmäler mit Schere und Alleskleber „respektvoll“ basteln. „Künstlerische“ Aufarbeitung der Geschichte mit Propagandawert. Selbstredend durfte niemand ein Denkmal für die hunderttausenden Opfer des Tito-Kommunismus ausschneiden und zusammenkleben.

Kritische Fragen in der Lehrveranstaltung, ob auch der Nachkriegsopfer in Kärnten und Slowenien gedacht werden solle, wies er zurück. Schönberger deklarierte sich als Gegner der kroatischen Gedenkfeier zum Massaker in Bleiburg, das von den kommunistischen Tito-Partisanen verübt wurde und erwog nach Angaben von Studenten sinngemäß, ob die Opfer im Prinzip nicht bekommen hätten, was sie verdienten. Bezüglich eines Gefangenenlagers in Begunje/Vigaun in Slowenien, wo nach dem Krieg sogenannte „antikommunistische Kollaborateure“ und bürgerliche Kärntner gefoltert wurden, war seine an die Studentenschaft gerichtete Frage, ob man dafür überhaupt eine Tafel anbringen sollte, weil diese vielleicht gar kein Gedenken verdienen würden und die einstige Vorgangsweise des Regimes irgendwie nachvollziehbar sei.

Schönberger ist auch federführend in Publikationen gegen jegliche Artikulation zum Thema ethnokulturelle Identität. Gegen die „Identitären“ und deren Aktivismus vor einigen Wochen, im Zuge dessen sich die Teilnehmer selbst mit Styropor bewarfen, steht dort geschrieben, dass sich die Jungendbewegung nicht nur gegen das gute, sondern gegen das Leben allgemein (sic!) wende: „Es macht keinen Sinn mit solchen Organisationen zu diskutieren. Es geht nicht um einen Austausch der Argumente. Es geht jetzt vielmehr darum, uns selbst und anderen klarzumachen, dass sich das Gerede von der ‚ethnokulturellen Identität‘ gegen das Leben ganz allgemein und gegen ein gutes Leben für alle im Besonderen richtet.“ Diese Behauptung wird begründet mit der Trivialität, dass der Mensch ja mehrere Identitäten habe, naheliegenderweise so: „Wir sind nicht nur Muslimas, sondern auch Ärztinnen oder Fussballfans.“

Die ethnokulturelle Identität der vielfältigen Gesellschaften der Erde, der klassische Forschungsgegenstand der Kulturanthropologie, sei bloß ein „Konstrukt“, eine „Erfindung“ und „Geschichtsfälschung“ heißt es dort. Nicht genug: „Wer mit diesem Konstrukt ‚denkt‘ und solche Fiktionen durchsetzen will[,] beteiligt sich an der Vorbereitung von Bürgerkriegen und anderen Formen von Mord- und Totschlag. Die Vorstellung einer ‚ethnokulturellen Identität‘ ist keine analytische Kategorie, sondern ein völkisches Mordwerkzeug.“ Demnach würden also sämtliche Kulturanthropologen und Produzenten von Universum-Dokus über die Lebensgewohnheiten verschiedener Völker an Genoziden arbeiten. Der slowenischen Minderheit in Kärnten stünde nach dieser Logik auch keine Kulturförderung zu, denn diese würde ja auf einer reinen „Fiktion“ aufbauen.

Die Absurdität der erörterten Aussagen soll deren linksradikalen Hintergrund aber nicht verschleiern. Während „Vielfalt“ und „Pluralität“ eingefordert wird, geht es um den globalen Einheitsmenschen und darum, in diesem jegliche „Fiktion“ einer ethnokulturellen Identität auszulöschen. Mit Kritikern dieses durchaus totalitären Projekts sei nicht nur ein gutes Leben unmöglich, sondern diese richteten sich gar gegen das Leben allgemein. Offen bleibt in dieser fragwürdigen Publikation, die natürlich nicht ganz offen zu Gewalt aufruft, lediglich, was mit solchen mutmaßlichen Feinden des Lebens eigentlich zu tun wäre. Fulminanter hat ein Kulturrevolutionär der jüngeren Zeit noch selten seine Maske fallen lassen.

 

[Text: F.-X. S.; Bild: ZZ-Archiv]