Beim Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Malta wurden einmal mehr Maßnahmen bezüglich der Bekämpfung der illegalen Masseneinwanderung nach Europa beschlossen. So will die EU enger mit der libyschen Regierung zusammenarbeiten. Das klingt schön und gut, hat aber einen großen Haken: Die libysche Regierung in Tripolis kontrolliert nur einen Teil des nordafrikanischen Krisenstaates. In Tobruk im Osten des Landes amtiert eine Gegenregierung, und wiederum andere Landesteile sind unter der Kontrolle islamistischer Gruppen.

Auch die übrigen Maßnahmen, die in Malta beschlossen wurden, sind nicht erfolgversprechend. So will die EU die libysche Küstenwache besser ausbilden und ausrüsten. Bleibt nur zu hoffen, dass die Libyer dann nicht dem Beispiel der Europäer folgen. Denn die EU-Marineeinsätze vor den libyschen Küstengewässern sind vor allem ein Auffisch- und Fährdienst nach Europa für illegale Einwanderer. Darüber hinaus haben Italien und Libyen ein Abkommen geschlossen, etwa zum besseren Schutz der libyschen Südgrenze. Nur ist diese Grenze in der Wüste sehr lang und äußerst schwer zu kontrollieren.

Immer deutlicher beginnt es sich zu rächen, dass Briten und Franzosen 2011 zusammen mit den USA den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi weggebombt hatten. Denn dieser war bei der Bekämpfung der illegalen Masseneinwanderung nach Europa ein zuverlässiger Partner. Zudem verwandelte das auf den Sturz Gaddafis folgende Chaos Libyen in einen gescheiterten Staat, der obendrein vor der Haustüre Europas liegt.

 

[Text: A. M.; Bild: U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Jesse B. Awalt]