Rund 2,3 Millionen Syrer leben als Flüchtlinge in der Türkei. Von ihnen gehen Schätzungen zufolge bis zu 400.000 einer illegalen Beschäftigung nach, großteils in der Bekleidungsindustrie, einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Vor allem aber sind die Syrer moderne Arbeitssklaven, die in den Nähereien zu einem Stundenlohn von einem Euro schuften – das ist die Hälfte des ohnedies niedrigen Mindestlohns. Wie das Business and Human Rights Centre, eine Organisation, die sich der Wahrung der Rechte von Arbeitnehmern verschrieben hat, berichtet, sind rund 60 Prozent der in der türkischen Textilindustrie Beschäftigten nicht registriert und damit rechtlos.

Für die türkische Textilindustrie ist das Heer an Billigarbeitskräften aus Syrien ein wahrer Segen. Denn mit den Hungerlöhnen, die gezahlt werden, wird die Produktivität gesteigert, was vor allem in Hinblick auf die Konkurrenz aus asiatischen Ländern wie Kambodscha oder Bangladesch von Bedeutung ist.

Aber auch die EU profitiert von den syrischen Flüchtlingen, die in türkischen Textilunternehmen ausgebeutet werden. Das Business and Human Rights Centre hat aufgedeckt, dass sogar Flüchtlingskinder arbeiten (müssen). Und viele der so produzierten Kleidungsstücke werden in die EU, dem wichtigsten Abnehmermarkt, exportiert. Dort werden sie von Bekleidungsketten feilgeboten, die sich dafür rühmen, „ethischen Grundsätzen“ entsprechend zu handeln.

Deutliche Kratzer hat nun das Saubermann-Image von H&M erhalten. Das schwedische Textilhandelsunternehmen gab bei der Beantwortung eines Fragebogens des Business and Human Rights Centre zu, dass in einer türkischen Fabrik, welche H&M beliefert, syrische Flüchtlingskinder arbeiten. Die britische Bekleidungskette Next berichtete sogar von Fällen in zwei türkischen Fabriken, in denen syrische Flüchtlingskinder ausgebeutet wurden.

 

[Text: B. T.; Bild: Foreign and Commonwealth Office/flickr]