Die internationale Bedeutung Österreichs zu Zeiten des SPÖ-Bundeskanzlers Bruno Kreisky war weit größer als sie einem kleinen europäischen Land wie Österreich zuzutrauen waren. Die Weltpolitik gab sich am Ballhausplatz die Klinke in die Hand und auch abseits der offiziellen politischen Bühne hielt der Österreichische Bundeskanzler auch in seinem Urlaubsdomizil auf Mallorca oder in seiner Privatwohnung in der Wiener Armbruster Gasse Hof.

Illustre Persönlichkeiten, wie der Palästinenser-Chef Arafat oder der libysche Präsident Gaddafi, gehörten ebenso zu den Gästen, zu denen Kreisky auf halb privater, halb offizieller Ebene Kontakte pflegte, wie der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt oder der schwedische Ministerpräsident Olof Palme. Vieles, was auf offizieller Ebene nicht ausgesprochen oder beschlossen werden konnte, wurde bei diesen Treffen mit der klugen „Privatdiplomatie“ Kreiskys auf Schiene gebracht.

Karin Kneissl, die von der FPÖ nominierte Außenministerin, hat in ihrem Amt einen großartigen Start hingelegt. Binnen kürzester Zeit gelang es ihr, internationale Anerkennung zu erlangen.

Wenn nun Wladimir Putin, der Präsident der zweiten Weltmacht, zu ihrer Hochzeit anreist, so ist das ein starkes Signal für diese herausragende Position. Es ist wohl klar, dass am Rande dieses Ereignisses, das am Samstag in der Steiermark stattfinden wird, die österreichische Regierung die Gelegenheit zu inoffiziellen Weichenstellungen nutzen wird.

In diesem Fall nicht nur für Österreich, sondern wohl auch für die EU. Nachdem US-Präsident Trump die Brücken zu Europa eher abbricht den aufbaut, sind wohl für die EU Alternativen im Osten sowohl in geopolitischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht gefragt. Dies auf informeller Ebene einzuleiten, dazu sind solche „halbprivaten Besuche“ wohl am besten geeignet.

Die Fundamentalopposition sondert trotz der diplomatischen Glanzleistung natürlich heftige Kritik ab. Allen voran die krisengebeutelte Liste Pilz, die sich Sorgen um die Sicherheitskosten macht.

Kneissl und die Regierung wird es wenig kümmern, was die Miesmacher mit Unterstützung ihres Haus- und Hofmediums, dem ORF verbreiten. Mit ihrem spürbaren Erfolgslauf haben sie die überwiegende Mehrheit der österreichischen Bürger und Wähler auf ihrer Seite.

[Text: W.T.; Bild: Wikipedia.org/BMEIA; Lizenz: CC BY 2.0]