Die einen setzen ihr Leben aufs Spiel, um vor den Gefängniszuständen zu fliehen. Andere wiederum setzen ihre Karriere aufs Spiel, um eben diese Zustände wenigstens für ein paar Stunden zu genießen.

So etwa die Südkoreanerin Park Hye-ri. Für umgerechnet 90€ gönnt sie sich ab und zu einen Tag in einem Gefängnis, das ironischerweise von einem Staatsanwalt mitgegründet wurde.

Was kann man sich von einem 90€ teuren Tagesaufenthalt im ,Häfn´ nun erwarten? Naja, eben das, was in einem herkömmlichen Justizanstalt auch passiert. Zuerst ist man verpflichtet, alle privaten Gegenstände - wohlgemerkt einschließlich des Handys - sowie die Kleidung abzugeben. Dafür erhält der „Freizeithäftling“ eine blaue Gefängnisuniform sowie Tee, Schreibzeug und eine Yogamatte. Man muss also nicht ganz auf dem nackten Boden schlafen. Danach wird man zu seiner 5m² „Knast-Suite“ gebracht, in der sich wegen des Komforts noch eine kleine Metalltoilette befindet.

Ähnlich karg fallen das Frühstück sowie das Abendessen aus. Reisporridge und Süßkartoffeln müssen genügen. Deprimiertes Gemurmel von „Leidensgenossen“ vermisst man ebenfalls - denn auf absolute Ruhe wird geachtet!

Die Hobby-Knackis kommen meistens wegen ihres gestressten Alltags zu Besuch in den Gitterkerker. Im OECD-Vergleich ist das durchschnittliche Arbeitspensum in Südkorea enorm hoch. Das bereits in der Schule wettbewerbsintensive Arbeitsklima führt zu häufigen „Burn-Out“ Erkrankungen und hohen Selbstmordraten. Deshalb sucht auch Park Hye hier ihre Ruhe und möchte in dem dumpfen Kerkerloch zu sich selber finden. Bereits 2000 begeisterte Besucher ließen sich 2017 freiwillig inhaftieren. Auch der überbeschäftigte Noh Ji-Hyang sieht die Anstalt als Urlaubsparadies: „Dies ist kein Gefängnis, sondern das wirkliche Gefängnis ist das, in das wir zurückkehren.“

[Text: A.P.; Bild: Wikipedia/Denis Barthel; Lizenz: CC BY-SA 4.0]