Die in der EU lebenden Türken würde nur ein bis zwei Prozent der Wählerschaft in ihrem Heimatland ausmachen, heißt es in Bezug auf die Volksabstimmung über die von Präsident Erdogan gewünschte Verfassungsänderung. Die Wahrheit dürfte jedoch anders aussehen. So schreibt heute ein politisch unverdächtiges Blatt, nämlich „Die Presse“, dass in den derzeit noch 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union „verschiedenen Quellen zufolge momentan mindestens sieben Millionen türkische Bürger und Menschen mit türkischem und türkisch-kurdischem Migrationshintergrund leben“.

Die tatsächliche Zahl der in der EU lebenden Türken dürfte also noch deutlich höher, wahrscheinlich um die zehn Millionen liegen, und lässt man die türkischen Kurden außer Acht, ist davon auszugehen, dass rund jeder zehnte türkische Wahlberechtigte – das Land hat derzeit knapp 80 Millionen Einwohner – in Europa lebt. Und dabei ist angesichts der Konzentration türkischer Einwanderer in Deutschland, Ostfrankreich, Österreich und den Niederlanden Mitteleuropa in besonderer Weise betroffen.

Unklar ist aber vor allem, wie viele der in einem EU-Staat eingebürgerten Türken Doppelstaatsbürger sind. Wie die Randale türkischer Einwanderer in den Niederlanden, wo eine türkische Ministerin keine Wahlkampfveranstaltungen abhalten durfte, zeigen, gilt die Loyalität vieler Türken weiterhin der alten Heimat. Die Integration – und erst recht die Assimilierung – kann oftmals als gescheitert betrachtet werden.

 

[Text: B. T.; Bild: Arne List/flickr]