Treiben die USA mit ihrem fernöstlichen Verbündeten Südkorea ein Doppelspiel und steckt Washington mit den Chinesen unter einer Decke? Dieser Verdacht drängt sich bei der Lektüre eines Artikels der „Korea Times“ auf. Unter Berufung auf Dokumente, welche die Enthüllungsplattform WikiLeaks am 12. April veröffentlichte, berichtet das Blatt von einer (bezahlten) Rede der früheren US-Außenministerin und späteren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton vor dem Spitzenpersonal von Goldman Sachs, einer der wichtigsten Häuser der internationalen Hochfinanz am 4. Juni 2013.

Demnach sagte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein, China wolle kein vereinigtes Korea, „aber eine verrückte Nuklearnation an ihren Grenzen kann auch nicht von Interesse sein“. Clinton antwortete WikiLeaks zufolge: „Wir wollen keine vereinigte koreanische Halbinsel, weil es dann ein Südkorea gäbe, das aus offensichtlichen wirtschaftlichen und politischen Gründen dominant wäre“. Clinton sagte auch, dass sich Washington und Peking in Bezug auf eine Nicht-Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten einig wären. Demnach würde die USA und China ein wiedervereinigtes Korea ablehnen, weil dieses weitaus mächtiger wäre als heute Nord- und Südkorea zusammen sind.

Das von „WikiLeaks“ veröffentlichte Dokument könnte die Ablehnung vieler Südkoreaner gegenüber den USA weiter verstärken. So kommt es immer wieder zu Protesten gegen das THAAD-Raketenabwehrsystem in Südkorea, das angeblich zum Schutz vor Nordkorea derzeit errichtet wird. Hinzu kommt, dass US-Präsident Donald Trump die Errichtungskosten des THHAD-Systems in Höhe von einer Milliarde Dollar den Südkoreanern aufbrummen will, was Seoul wiederum ablehnt.

 

[Text: B. T.; Bild: Nicor/wikimedia.org]