Es gibt in Österreich immer mehr Persönlichkeiten, die es sich aufgrund ihrer Leistung schlicht und einfach nicht verdienen, die Öffentlichkeit mit ihrer Präsenz zu langweilen. Täglich löchern zahlreiche Z-Promis die Feuilletonseiten billiger Schlagwort-Gazetten mit ihrer Anwesenheit bei sogenannten „Society-Events“, obwohl das Fernbleiben von derartigen Veranstaltungen mehr Stil und Noblesse bewiese, als die grinsende, kamerageile Teilnahme in einem brandneuen, potthässlichen Designerkleid.

Standen einst Curd Jürgens oder Herbert von Karajan im Lichte der Reporter, sind es heute abgehalfterte Homosexuelle, geschiedenen Baumeistergattinnen oder selbsternannte Künstleragenten, die weder durch Können noch durch Geschick oder Leistung, sondern ausschließlich durch ihre Schrägheit auf sich aufmerksam machen und eine sensationswütige, eklatsüchtige Gesellschaft nicht mit Anspruch, sondern durch Skandale unterhalten. Diese Entwicklung widerspiegelt nicht nur den Niedergang der sogenannten „Society“, sondern auch jenen der Medienschaffenden und nicht zuletzt den der Konsumenten, die diesen belanglosen Schund schließlich inhalieren und darin ersticken.

Zu billig wäre es, ausschließlich dem Publikum die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wir kennen das aus dem Theater: Beweist die Aufführung Stil, schreibt sich der Regisseur das Stück auf die Fahnen, misslingt’s ist das Publikum schuld; es verlange schließlich danach. Nein! Die Leute sind sehr wohl gewillt, auch anspruchsvolleres zu lesen oder zu sehen. Nur muss man es eben schmackhaft aufbereiten und verständlich „in Szene setzen“. Und wen das nicht interessiert, den lasse man in Ruhe! Nicht ganz unbegründet scheint also Ernst Jüngers Erkenntnis: „Die Zensur verfeinert die Sitten.“ – sofern der „Richtige“ zensiert.

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/Ralf Roletschek; Lizenz: GNU Free Documentation License 1.2]