Unmittelbar nach dem durchschlagenden Erfolg der AfD bei den Wahlen zum Bundestag war ein Reflex zu beobachten, der hierzulande schon seit den Haider-Jahren nach jedem neuen Wahlerfolg der Freiheitlichen zu beobachten war. Schuld sind die Medien, die den Themen der AfD viel zu großen Platz einräumen würden – der Erfolg der AfD sei „herbeigetalkt“, wie es der linke Kommentator Georg Diez im „Spiegel“ argumentierte. Er verstieg sich zu der Meinung, dass die öffentlich-rechtlichen Medien, angefeindet von den Kräften des Anti-Establishments, den „Einzug der AfD ins Parlament mitzuverantworten“ hätten, „weil sie so früh den reaktionären Kräften eine Bühne geboten haben.“ Ganz von der Arroganz abgesehen, die aus diesen Worten klingt – wie denkt denn Herr Diez über die Beeinflussbarkeit bzw. die Kritikfähigkeit der Konsumenten dieser Sendungen? – ist es noch nicht lange her, dass ebendiese Medien den ebenso unsympathischen wie auch völlig uncharismatischen SPD-Kandidaten in den Himmel geschrieben hatten; wohl um durch eine inszenierte „Duell-Situation“ mit Angela Merkel insbesondere die AfD auszustechen. Damit nicht genug, die Talkshows hätten auch noch „falsch verstandene Demokratie“ inszeniert – „indem sie eine dissidente Stimme, die extremen Rechten, anderen dissidenten Stimmen vorzogen“, wäre eine Stimmung erzeugt worden, „in der es normal erschien, dass der Stumpfsinn und der Hass eine Stimme im Bundestag werden.“ Herr Diez weiß sich mit seinen demokratiepolitischen Spekulationen im Übrigen eins mit dem größten Teil der Kommentatoren, die die res publica ebenfalls dadurch gefährdet sehen, dass Bürger ihre verfassungsmäßig garantierten Rechte wahr- und an einer Wahl teilnehmen.

Dass die Linke immer noch verwundert ist, nicht (mehr) alleine die Diskurshoheit ausüben zu dürfen, bedeutet schlicht, dass sie die neuen Kommunikationsmechanismen nicht verstanden hat. Vorbei sind die Zeiten, in denen der der Frankfurter Schule entsprungene bebrillte Intellektuelle – mit oder ohne schwarzen Rollkragenpulli – mehr oder weniger unwidersprochen die Richtung der Debatte bestimmte. Seitdem es durch die sozialen Medien möglich geworden ist, ohne ein Medium – direkt – zum Elektorat zu sprechen, braucht es den Vermittler, den Interpreten, der dem Thema den „richtigen“ Spin verfasst, nicht mehr. Was die Bürger als ihre Realität täglich vor Augen haben, ist nun einmal auch durch noch so sophistische Argumentarien- nicht zu
entkräften.

 

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[Bild: Ömer Güven/flickr]