Viele Hoffnungen setzte man nach der letzten Bundespräsidentenwahl 2012 in den ehemaligen „DDR“-Bürgerrechtler und Pastor Joachim Gauck. Er sollte das durch seinen Amtsvorgänger Christian Wulff in der Öffentlichkeit beschädigte Amt wieder aufpolieren und er versprach, ein unbequemer Präsident zu sein. Wulff mußte zurücktreten, weil er in den Geruch der Bestechlichkeit geraten war – ein Vorwurf, von dem er später freigesprochen wurde.

Um es kurz zu machen: Die Hoffnungen auf einen Bundespräsidenten, der auch der Bundesregierung auf die Finger schaut, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil: Joachim Gauck schaffte es sogar noch, einige Darbietungen in der deutschen Außenpolitik zu unterbieten. Zum Entsetzen von Kanzleramt, Auswärtigem Amt und anderen jeweils zuständigen Stellen meldete sich Joachim Gauck zudem andauernd ungefragt zu Wort. Er ging dabei regelmäßig weit über das Maß an politischer Einmischung durch einen Bundespräsidenten hinaus, das dem politischen System der Bundesrepublik Deutschland noch zuträglich ist.

Ein „typischer Gauck“ waren neulich auch die Äußerungen zum Paragrafen 103, der die Beleidigung ausländischer Staatschefs behandelt. Das ist der Böhmermann-Paragraf, der abgeschafft werden soll. Gauck wurde gefragt, ob seiner Meinung nach die Ehre eines Staatsoberhauptes besser geschützt werden muss als die eines normalen Bürgers. Da sagte er zunächst: „Das ist so ein Fall, wo ich ungern dem Parlament, das ja hier erst mal zu entscheiden hat, Ratschläge geben würde“ – um dann gleich anzuschließen: „Mein Rat aber in dieser Sache ist …“Am Ende lief sein Rat übrigens auf den Hinweis hinaus, dass „die höchste Repräsentanz einer Republik, einer Demokratie, doch mindestens so viel Ehrerbietung verdient wie es ein gekröntes Haupt“.

 

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[Bild: Freud/wikimedia.org]