Die europäische Integration, das war einmal ein großes Versprechen. Nicht nur eines auf den Frieden zwischen den europäischen Völkern, sondern auch eines auf Freiheit, Wohlstand und Sicherheit. Was den Frieden anbelangt, so war die Integration wohl eher dessen Folge und nicht umgekehrt. Es war vielmehr so, dass die von zwei Weltkriegen erschöpften Nationen Europas im geradezu apathischen Frieden der Nachkriegszeit erkennen mussten, dass sie nur gemeinsam bestehen könnten. Der Frieden war also zuerst da und dann kam die Integration und nicht umgekehrt.

Dieser Frieden hat bis zum heutigen Tag weitgehend gehalten, obwohl sich nunmehr Bruchlinien abzeichnen. Das Versprechen auf Wohlstand, auf Sicherheit und Freiheit aber kann die Union in zunehmend geringerem Maße erfüllen. Gewiss, im saturiertem und auch dekadenten Westen der EU leben wir nach wie vor in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft, die mit entsprechenden materiellen Gütern gesegnet ist, aber bereits im Osten der Union, in den Beitrittsländern des Jahres 2004, konnte dieses Versprechen nur mehr sehr bedingt erfüllt werden, der flächendeckende Wohlstand ist beispielsweise in Rumänien und Bulgarien längst nicht ausgebrochen.

Und das Versprechen auf Sicherheit kann Brüssel – allerdings nicht nur aus eigenem Verschulden – keineswegs mehr einlösen. Während es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus im Osten weitgehend so aussah, als würde nunmehr eine friedliche Welt der freundschaftlichen Völkervielfalt anbrechen, ist Europa in unseren Tagen im Osten und im Süden nahezu nahtlos von Krisenherden umgeben. Die Ukraine, das Kaukasusgebiet, die Türkei, der Nahe und Mittlere Osten und ganz Nordafrika – ein einziger globaler Krisenherd, von dem EU-Europa gewissermaßen eingekreist zu sein scheint.

Und was schließlich das Versprechen auf Freiheit betrifft, so ist diese in erster Linie nicht von außen gefährdet, sondern von innen. Die NATO-Camouflage militärischer Manöver an den russischen Grenzen soll zwar suggerieren, dass von Moskau große militärische Gefahren ausgingen, dem ist aber in Wahrheit keineswegs so.

 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.

 

[Bild: EU Exposed/flickr]