Gehalts- und Bonuszahlungen in astronomischer Höhe mögen Manager erfreuen, haben aber negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Zu diesem Befund kam Andy Haldane, der Chefökonom der Bank of England, bei einem Vortrag bei der Denkfabrik New City Agenda. Dabei verwies der Chefökonom der britischen Notenbank auf die große und weiter zunehmende Einkommensschere zwischen Vorstandsmitgliedern und Arbeitnehmern. Er sagte, dass die Vorstandsmitglieder der im britischen Börsenindex FTSE 100 gelisteten Unternehmen um 150-mal mehr verdienen als ein durchschnittlicher britischer Arbeitnehmer, und eine solche Ungleichheit bei Einkommen „treibt einen Keil zwischen Management und Mitarbeitern“.

Das führe wiederum dazu, dass das „Sozialkapital ausgehöhlt wird“. Der in Wirtschaft und Wissenschaft verwendete Begriff Sozialkapital bezieht sich auf Vertrauen und Zusammenarbeit in einer Gesellschaft. Wie Haldane erklärte, sei die Vermögensbildung sowohl in einem Land als auch in einem Unternehmen beeinträchtigt, wenn das physische und soziale Kapital ausgedünnt werde.

Außerdem argumentierte Haldane, der selbst im Jahr umgerechnet rund 300.000 Euro verdient, der Mangel an Sozialkapital unter den Banken habe zur sehr langsamen Erholung der britischen Wirtschaft nach der Finanzkrise 2008 beigetragen: „Ein Vertrauensmangel in das Finanzwesen hindert potentiell sowohl Wirtschaftswachstum als auch finanzielle Stabilität. Wenn das nicht angesprochen wird, gefährdet es künftigen Wohlstand und Wohlergehen.“

 

[Text: B. T.; Bild: Frank Schwichtenberg/wikimedia.org]