In Syrien scheint sich die Geschichte oder zumindest ein kleiner Teil von ihr zu wiederholen. Als Ende 2016 die syrische Regierung und ihr Verbündeter Russland begannen, die Islamisten zu vertreiben, die den Ostteil der Metropole Aleppo kontrollierten, wurden Präsident Baschar al-Assad Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Russlands Präsidenten Wladimir Putin Komplizenschaft vorgeworfen. Nun, nachdem die syrische Regierung begonnen hat, die von Islamisten gehaltene Stadt Ost-Ghuta zu befreien, muss Assad abermals als Sündenbock herhalten. Die humanitäre Lage für die rund 400.000 eingeschlossenen Zivilisten sei schrecklich, es fehlten die wichtigsten Medikamente und Nahrung, und in den westlichen Nachrichtensendungen sind Bilder von Zerstörung und Elend zu sehen, für welche der syrische Präsident verantwortlich sein soll.
Für die USA stellt der Vormarsch der syrischen Regierungstruppen ein großes Problem dar, weil damit die Möglichkeiten, die Zukunft des Nachkriegssyrien mitzugestalten, schwinden. Und tatsächlich war und ist es nicht der Westen, der den entscheidenden Beitrag zur Befriedung Syriens leistet, wie der Autor Tony Cartalucci im „New Eastern Outlook“ ausführt: „In Aleppo verdrängen Baufahrzeuge die Panzer. Nachdem Aleppo von den Terrorgruppen, die die Stadt jahrelang besetzt hatten, befreit wurde, ist nun der Wiederaufbau im Gange. Frieden und Sicherheit wurden in Aleppo nicht von den Vereinten Nationen oder westlicher Staaten wie der USA, Großbritannien oder anderer NATO-Mitglieder wiederhergestellt, sondern von gemeinsamen syrischrussischen Militäroperationen, die entgegen westlicher Forderungen, dass Terroristen-Enklaven intakt bleiben müssen, ausgeführt wurden.“

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[Text: B.T.; Bild: Kremlin.ru /Creative Commons Attribution 4.0 International]