„Der Islam gehört nicht zu Deutschland,“ sprach Horst Seehofer. Gesagt, getan? Werden die Moscheen nunmehr in einfache Gebetsräume zurückgebaut? Verschwinden die Minarette aus den Stadtbildern? Wird in den „No-Go-Areas“ ab sofort das deutsche Gesetz rigoros durchgesetzt? Findet ab dem jetzigen Zeitpunkt keine weitere Einwanderung mehr aus dem muslimischen Kulturkreis statt?
Natürlich nicht. Am Höhepunkt der so genannten Sarrazin-Debatte im Jahre 2010 forderte Seehofer ein Ende muslimischer Zuwanderung. Die Integration der bereits Zugewanderten ist offenkundig gescheitert.
Was ist seit 2010 passiert? Eine Explosion der Asylzahlen aus dem muslimischen Raum, „Wir schaffen das“, Willkommenskultur“, Aussetzung von Dublin und Schengen. Eine Diskussion über die Frage, ob es sich um Wirtschaftsflüchtlinge oder Kriegsflüchtlinge handelt, muss nicht mehr ernsthaft stattfinden. Jeder mit Hausverstand hat diese Frage bereits für sich beantwortet. Daher muss auch keine ernsthafte Debatte mehr darüber stattfinden, ob es Seehofer ernst meint oder sich in den üblichen rhetorischen Kampffloskeln vor der bayrischen Landtagswahl übt.
Aber über eine interessante Frage könnte man durchaus in diesem Zusammenhang laut nachdenken: Ein Islamwissenschaftler kritisierte Seehofer. Gehören die arabischen Ziffern und astronomische, mathematische sowie medizinische Errungenschaften aus dem islamischen Raum auch nicht mehr zu Deutschland? Durchaus. Jedoch gehören diese kulturellen sowie wissenschaftlichen Errungenschaften überhaupt noch zur islamischen Welt, die ab 1500 den Anschluss an die Moderne verloren hat? Und ging die Einführung der lateinischen Buchstaben unter Atatürk mit einer Christianisierung einher? Sollten wir auf Papier und Schießpulver verzichten oder chinesische Schriftzeichen einführen? Oder sollten wir auf gewisse Wissenschaftler nicht mehr hören und dem Hausverstand vertrauen?

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