Ein SPÖ-Mitarbeiter, Paul Pöchhacker – er arbeitet derzeit im Wahlkampfteam von Hundstorfer (laut „Heute“) – twitterte das „Krüppellied“ von Qualtinger und Heller und versah seinen Tweet mit folgender Widmung: „Für Hofer Norbert“.

Ist das Lied so schon eher geschmacklos – der Wiener Schmäh ist nicht jedermanns Sache –, kommt noch erschwerend hinzu, dass der 3. Präsident des Nationalrats Norbert Hofer bei einem Paragleiter-Unfall im Jahr 2003 ein inkomplettes Querschnittssyndrom erlitt, lange im Rollstuhl saß und noch heute massiv in seiner Mobilität beeinträchtigt ist (siehe Bild).

Nachdem Herbert Kickl die „Entgleisung“ mit der empörten Frage, „ob das die neue SPÖ-Linie gegenüber behinderten Menschen sei?“ anprangerte, ruderte Pöchhacker natürlich zurück und relativierte seine Beleidigung und entschuldigte sich „aufrichtig für diese Grenzüberschreitung zwischen Scherz und Geschmacklosigkeit und wollte niemanden verletzen“.

Zweierlei Maß – damit soll jetzt alles abgetan sein? Wo bleibt der Aufschrei des Noch-Bundespräsidenten Fischer der noch vor wenigen Tagen betonte (wegen Straches „Staatsfeind-Sager“), dass er kein Verständnis für eine Ausdrucksweise habe, die in einem friedlichen und demokratischen Land „absolut nichts verloren hat“ und die Wahlwerbung für das Amt des Bundespräsidenten „in einer nicht vertretbaren Weise vergiftet“. Ist der 3. Präsident des Nationalrats etwa keine Respektsperson in Österreich oder liegt es etwa daran, dass er von der „falschen“ Partei gestellt wurde und kein Partei-Spezi des Bundespräsidenten ist?

Auch muss man sich die Frage stellen, wie etwa die Öffentlichkeit reagiert hätte, hätte ein FPÖ-Mitarbeiter Qualtingers „Krüppellied“ in Zusammenhang mit dem ÖVP-Abgeordneten Franz-Joseph Huainigg – er erlitt in seinem ersten Lebensjahr durch eine Impfung schwere Behinderungen und ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen – gebracht… Nicht auszudenken!

 

Hier der Text des „Krüppellieds“ von Qualtinger und Heller:

Wenn ich mal trüber Laune bin,
dann geh' ich zu den Blinden
und lache mir den Buckel krumm,
wenn sie die Tür nicht finden.
Dann geh' ich zu den Lahmen auch,
wohl in ein dunkles Gangerl,
schnall' ihnen die Prothesen ab
und spiel' mit ihnen Fangerl.

Refrain:
Krüppel ha'm so was rührendes.
Krüppel ha'm was verführendes.
Wenn ich so einen Krüppel seh',
wird mir ums goldne Wienerherz
recht warm und weh.

Ich sprach zu einem Mägdelein:
'Du hast nur einen Haxen!
mach Dir nichts draus, sei trotzdem mein!
Er wird Dir eh nicht wachsen.'
Da bracht' sich mir das Mägdlein dar,
im weißen Bettgehege.
Der abgeschnitt'ne Haxen war
durchaus mir nicht im Wege. 

Refrain:
Krüppel ha'm so was rührendes.
Krüppel ha'm was verführendes.
Wenn ich so einen Krüppel seh', 
wird mir ums goldne Wienerherz 
recht warm und weh.

Ich leg stets die Binde an,
wenn ich die Stadt durchfahre,
denn Plätze in der Straßenbahn
sind meistens Mangelware.
Drei punkte schwarz auf goldnem Grund,
euch weiß ich sehr zu schätzen.
Bin ich auch stark und kerngesund,
ein jeder läßt mich setzen.

Refrain:
Krüppel ha'm so was rührendes.
Krüppel ha'm was verführendes.
Wenn ich so einen Krüppel seh',
wird mir ums goldne Wienerherz
recht warm und weh.

Ein Mädel war bedient, o graus,
ihr name, der war Stasi.
Da beutle ich mein Staubtuch aus,
gleich unter ihrem Nasi.
Und fängt sie dann zu husten an,
speit schleim sie und spuckt blut sie,
sag' als perfekter Gentleman,
ich höflich: 'kutzi, kutzi!'.

Refrain:
Krüppel ha'm so was rührendes.
Krüppel ha'm was verführendes.
Wenn ich so einen Krüppel seh',
wird mir ums goldne Wienerherz
recht warm und weh.

[Bild: Ausriss "Heute"]