Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die bayerische CSU zwischen den Sesseln sitzt. Der jüngste Parteitag der Christlichsozialen in München zeigt dies exemplarisch: Auf der einen Seite will man Distanz zu Angela Merkels CDU mit ihrem „Wir schaffen das!“-Willkommensklatschern wahren und hat daher die Kanzlerin erst gar nicht eingeladen, auf der anderen Seite braucht man aber den größeren Partner und darf es sich nicht ganz verscherzen. Gleichzeitig will man sich gemäß des alten Mottos von Übervater Franz Josef Strauß „Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben!“ gegen die AfD positionieren – als Alternative zur Alternative sozusagen.

Das führte denn auch zu einer skurrilen Mischung aus Schizophrenie und Getriebenheit bei CSU-Parteichef Horst Seehofer: Wechselweise spielt er in seiner Rede die Klaviatur zwischen brüllendem bayerischen Löwen und schnurrendem Kätzchen. Doch das Umschalten von Angriffsmodus auf Harmonie ist nach der tiefen Kluft in der Flüchtlingsfrage sehr schwer. Die CSU muss glaubwürdig bleiben – und will gleichzeitig nicht mit der CDU brechen.

Nur 21 Minuten sprach Seehofer und endete mit den Worten, er wolle den Parteitag „nicht aufhalten“. Doch seine Kernbotschaft machte Seehofer auch mit wenigen emotionslosen Worten noch einmal klar: Die CSU ist eine Mitte-Rechts-Partei und soll auch Nationalkonservativen eine Heimat sein.

„Unser Gegner ist Rot–Rot–Grün“, so schwor er seine Basis am Vortag auf „für die CSU wieder einmal existentiellen Wahlkämpfe“ im Bund 2017 und im Bayern 2018 ein.

 

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[Bild: metropolico.org/flickr]