Die am 2o. Jänner veröffentlichten Besucherzahlen der Bundesmuseen waren geneigt, den zuständigen Herrn Bundesminister Thomas Drozda „glücklich und stolz“ zu machen. Es sei ihm gegönnt, hat er doch als Koordinator der Pleiten, Pech und Pannen-Regierung Kern I sonst wenig zu lachen. Erstmals waren über fünf Millionen Besucher zu verzeichnen, exakt 5,269.383 Menschen visitierten im Jahr 2016 Bundesmuseen und die Österreichische Nationalbibliothek. Für Drozda ist dies wohl kaum mehr als eine Atempause, kaum geeignet, die verlorenen zehn Jahre Museumspolitik unter roten Ministern (Schmied, Ostermayer) zu kaschieren. Derzeit wird an einer neuen „Museumsoffensive“ herumgedoktert, beinahe vergessen scheinen Claudia Schmieds glücklose Versuche in dieser Richtung – außer hohen Kosten für die beschäftigten „Experten“ gab es wenig (bis keine) Ergebnisse. Die seit vielen Jahren bestehenden strukturellen Probleme der Bundesmuseen wurden dagegen nicht angegangen – und diese sind eine Schande für den Kulturstandort Wien.

So fristet das Museum für Völkerkunde (heute: „Weltmuseum“) seit vielen Jahren ein Schattendasein – obwohl es eine der bedeutendsten ethnographischen Sammlungen der Welt vorweisen kann. Bereits unter dem schwarzen Zampano Wilfried Seipel wurde es (neben dem Theatermuseum) dem „KHM-Konzern“ eingemeindet und dient diesem seither als personeller und logistischer Ressourcensteinbruch. Waren bis zu Claudia Schmieds Wirken wenigstens einige wenige Räume – mit einem Minimalbestand – in der Neuen Burg zu besichtigen, sperrten auch diese schließlich im November 2014 zu. Ein für drei Jahre geplanter Umbau (nach den Plänen eines New Yorker Büros) sollte die Sammlung neu präsentierten; leider benötigte der ebenfalls neu ins Amt des Kulturministers gekommene Josef Ostermayer ein Prestige-Projekt, das sein Standing innerhalb der SPÖ festigen sollte – und so erfand er, mit Haushistoriker Oliver Rathkolb, das „Haus der Geschichte Österreichs“ – das just im Bereich des Weltmuseums errichtet werden sollte. Also Kommando zurück, eine „Redimensionierung“ des Weltmuseums war angesagt…

 

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[Bild: Bwag/wikimedia.org]